Ein Wochenende, feiernde Neonazis und Geflüchtete als Nachbarn

Am Wochenende des 05. – 07. Juni 2015 fand auf dem Grundstück Am Kanal 5 in Holthausen-Biene bei dem Neonazi Daniel Borker zum wiederholten Male eine Nazi-Party statt. Die etwa 10 BesucherInnen sind dem Umfeld rechter Hooligan-Gruppierungen zuzuordnen, und waren aus verschiedenen Bundesländern, bis hin nach Polen, in den Lingener Stadtteil angereist.

Der Gastgeber der Party, Daniel Borker, bekundet schon seit einiger Zeit seine Sympathie zu Fußball-Rechtsrock der Band „Kategorie C“ und dem Auftreten der Hooliganszene. Den Schriftzug „Kategorie C“ hat er auf seinen Unterarm tätowieren lassen. Das Auftreten der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) und der damit eingehende Erfolg von Kategorie C kamen ihm sehr gelegen. Dadurch hat er eine passende Plattform gefunden, seine Affinität zu rechtsorientiertem „Fußball-Hooliganismus“ verstärkt auszuleben.

V.l oben: 2. Dennis Starke, 4. Daniel Borker, 7. Stefan Raabe (Grimma) 8. Markus Post V.l. Unten: Katharina Christopher, Nicole Raabe (Grimma)

V.l oben: 2. Dennis Starke, 4. Daniel Borker, 7. Stefan Raabe (Grimma) 8. Markus Post V.l. Unten: Katharina Christopher, Nicole Raabe (Grimma)

Über Facebook mobilisierte er die ersten Personen aus seinem Umfeld zu den Aufmärschen der HoGeSa in Köln und Hannover. Schnell festigten sich dort die Kontakte und es ergab sich eine Hooligan und Kategorie C affine Szene im Emsland. Nach dem zweiten Aufmarsch der rechten Hools in Hannover am 15. November 2014 nutzte Borker das Zusammentreffen, um eine „HoGeSa und Kategorie C- Party“ bei sich in der Gartenlaube zu veranstalten. Ungefähr 20 Personen aus dem Emsland, sowie auch aus Hamburg feierten mit HoGeSa- und Kategorie C-Merchandise bei lautem Rechtsrock.

Mit den rechtsradikalen Massenmobilisierungen der HoGeSa 2014 in Köln und Hannover wurde neonazistischen Hooligangruppen eine Ausdrucks- und Organisationsform verliehen, sowie zusammenhangslosen und unorganisierten Rechten ein Identifikationsmodell geschaffen. Kategorie C lieferte mit dem Song „Hooligans gegen Salafisten“ den passenden Soundtrack dazu. Die Band begleitete fortlaufend die Entwicklung der HoGeSa. Ein Auftreten bei der zweiten großen HoGeSa-Demonstration in Hannover wurde ihnen allerdings juristisch untersagt.

Längere Zeit war es still gewesen um das Anwesen von Daniel Borker in Holthausen Biene… bis zu der o.g. Party am Wochenende des 05. – 07. Juni. Hooligans und Neonazis aus Polen, Berlin, Solingen (NRW), Wiesbaden (Hessen), Bad Segeberg (Schleswig-Holstein), Nordhorn und aus der Region feierten mit lautem Rechtsrock auf Borkers Grundstück. Die KameradInnen bezeichnen sich selbst als „Eiserne Wölfe“. Auch haben sich die Partybesucher T-Shirts mit Kategorie C- und „Eiserne Wölfe“-Logo drucken lassen.

Das Logo der "Eisernen Wölfe"

Das Logo der „Eisernen Wölfe“

Die Bezeichnung „Eiserne Wölfe“ stammt von einem 1927 gegründeten faschistischen Kampfbund aus Litauen unter der Führung vom des litauischen Präsidenten Antanas Smetona und des Premierministers Augustinas Voldemaras. Ursprünglich waren die „Eisernen Wölfe“ als Sportverein entstanden, waren aber nach dem Vorbild der italienischen Schwarzhemden paramilitärisch organisiert. Mit gewalttätigen Übergriffen etwa gegen Polen oder Juden machten die „Eisernen Wölfe“ auf sich aufmerksam. Später schlossen sich die „Eisernen Wölfe“ den Nazionalsozialisten an und fanden sich personell auch im „Bund Litauischer Aktivisten“ wieder, die an den Ermordungen der jüdischen Bevölkerung Litauens beteiligt waren.

Als wäre ein Party-Wochenende mit Nazis aus dem ganzen Bundesgebiet nicht schon genug, so muss dies auch noch in unmittelbarer Nähe zu einer Geflüchteten-Unterkunft stattfinden. 13 schutzsuchende Menschen wohnen in direkter Nachbarschaft zu Daniel Borker. In einem alten Verwaltungsgebäude am Wendeplatz direkt hinter Borkers Garten leben 4 Familien aus Albanien und Serbien.

Es ist eine unerträgliche Vorstellung, dass geflüchtete Menschen direkt neben einem Neonazi wohnen müssen, welcher an rechten Massendemonstrationen unter Parolen wie „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus“ teilnimmt, regelmäßig seine KameradInnen zum Saufen einlädt und auch sonst keinen Hehl aus seiner rassistischen Ideologie macht.

In der BRD herrscht wieder pogromähnliche Stimmung, und Geflüchtete können hier oftmals kein friedliches Leben führen. Nachdem die rassistischen Bewegungen PEGIDA und HoGeSa, sowie den ortsansässigen „Nein zum Heim“-Gruppierungen drastisch mobilisierten, um geflüchteten-feindliche Ressentiments auf die Straße zu tragen, gibt es vermehrt Angriffe auf Geflüchtete und MigrantInnen. Die Zahl der Übergriffe auf geplante oder bereits bestehende Unterkünfte von schutzsuchenden Menschen steigt rasant an: Über 160 Angriffe auf Unterkünfte für Asylbewerber zählte die Polizei bundesweit im vergangenen Jahr, fast dreimal so viel wie 2013. Im ersten Halbjahr 2015 wurden laut dem aktuellen Verfassungsschutzbericht bereits rund 175 rassistisch motivierte Straftaten gegen Asylbewerberheime registriert.

Die Situation „Am Kanal“ in Holthause-Biene ist für uns ein unhaltbarer Zustand. Es darf im Hinblick auf das derzeitige geflüchteten-feindliche Klima nicht sein, dass Geflüchtete neben eben dieser Person wohnen müssen. Diese Menschen sind durch das ständige Gelage von Neonazis auf Borkers Grundstück einer enormen Gefahr ausgesetzt. Das Daniel Borker ohnehin feindlich gegenüber schutzsuchenden Menschen gesinnt ist, lässt sich, neben seinen zahlreichen rassistischen Beiträgen auf Facebook, auch expliziter beweisen:

Vor kurzem fand eine Debatte über „mobile Wohneinheiten“, also Container-Unterkünfte für Geflüchtete neben der jetzigen Unterkunft „Am Kanal 9“ in Holthausen Biene statt. Weitere schutzsuchende Menschen sollten „Am Kanal“ untergebracht werden. Daniel Borker echauffierte sich darüber und betonte, dass er „nicht noch mehr“ von „diesen“ Menschen bei sich in der Nachbarschaft haben möchte. Auch nahm er eine Unterschriftensammlung als Gelegenheit wahr, um gegen die Errichtung einer zusätzlichen Unterkunft in der Straße mit eindeutig rassistischen Motiven zu mobilisieren.

Hintergrund und Ausgangspunkt dieser Unterschriftensammlung war das aufmerksame Engagement einer Nachbarin, die den derzeit in der Holthausener Siedlung wohnenden Geflüchteten hilft. Nachdem sie Vermessungen bei der Unterkunft der vier Familien bemerkt hatte, fand sie heraus, dass die Stadtverwaltung dort neue Containerunterkünfte plant. Dies verärgerte die Nachbarin, weil ihre Kapazität der Hilfe damit ausgeschöpft ist. Mit einem Schreiben an die Stadt wollte sie deutlich machen, dass die Aufnahme von weiteren Geflüchteten wichtig ist, jedoch dies in ihrer Wohnsiedlung die Nachbarschaft überlastet.

In einem persönlichen Gespräch erklärte sie dazu, dass sie ihr Engagement für die Geflüchteten, die „Am Kanal“ wohnen, als selbstverständliche Nachbarschaftshilfe betrachtet. Ihrer Ansicht nach sollen neue Nachbarn so schnell und so gut wie möglich in die Nachbarschaft aufgenommen werden. Im Falle Geflüchteter als Nachbarn verlangt sie ein intensiveres Engagement, weil die Lebenslagen der Menschen häufig schwieriger sind. Eine umfassende Hilfe sei daher nur möglich, wenn die Aufgaben auf mehr Köpfe verteilt werden.

Ihre Vorstellung von einer zielführenden Nachbarschaftshilfe, angewandt auf die Situation „Am Kanal“, führte sie zu der Forderung, dass weitere Unterkünfte in anderen Siedlungen in Holthausen-Biene geschaffen werden sollen. Auch sieht sie die Unterschriftenaktion im Sinne der nachbarschaftlichen Solidarität, da sie alle Unterschriften der Bewohner „Am Kanal“ aufnehmen wollte, um einen geschlossenen Zusammenhalt zu signalisieren.

Dies gab Daniel Borker die Möglichkeit, seinen Hass gegenüber den Geflüchteten in seiner Nachbarschaft in ein harmloses Licht zu rücken. Das ist gefährlicher als es auf dem ersten Blick erscheint, denn so gibt man Nazis wie Daniel Borker die Möglichkeit, sich in die Debatten einzumischen, um dort rassistische Einstellungen zu verbreiten und durchzusetzen. Die Unterschriftensammlung der engagierten Nachbarin, die zum Zeitpunkt der Aktion nichts von Daniel Borkers rechtsradikalem Hintergrund wusste, droht sich so bezüglich ihrer Intention ins Gegenteil zu verkehren. Unserer Meinung nach, wäre der richtige Umgang mit der Situation, die Nachbarschaft für mehr Geflüchteten-Hilfe zu motivieren. So kann ein solidarisches Miteinander geschaffen werden und Unterschriftenaktionen gegen Unterkünfte für Schutzsuchende (über die sich die Neonazis freuen), hätten vermieden werden können.

Wir fordern die Nachbarschaft dazu auf, sich mit den Geflüchteten zu solidarisieren, und sich dem benachbarten Neonazi Daniel Borker konsequent entgegenzustellen!

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