Antifaschistische Demonstration in Lingen – Tendenziöse und diffamierende Berichterstattung

Am 18.6.2016 führten wir in Kooperation mit dem Verein „Grenzenlos – Antirassistisches Engagement“ eine Demonstration unter dem Motto „Nazi-Terror stoppen – Solidarität mit allen Geflüchteten“ in Lingen durch. Anlass der Demonstration waren die Schüsse eines Lingener Nazis auf Geflüchtete der Unterkunft am Langschmidtsweg.

Etwa 100 TeilnehmerInnen beteiligten sich an der Demo, die um 14:30 am Lingener Bahnhof startete. In der Nähe der Geflüchtetenunterkunft führten wir eine Zwischenkundgebung mit zwei Redebeiträgen durch. Danach ging es weiter zum Marktplatz, wo die Demo mit einer Abschlusskundgebung beendet wurde.

Nachdem wir schon im Vorfeld der Demonstration einen Bericht der NOZ / Lingener Tagespost wegen teilweise falscher Aussagen richtigstellen mussten, sehen wir uns auch im Nachhinein mit einer fragwürdigen Berichterstattung seitens der Lingener Tagespost konfrontiert. Wir sind es leid, ständig auf tendenziöse Berichterstattung in der Lingener Tagespost reagieren zu müssen, wollen aber dennoch einige Worte dazu sagen.

Der Autor des Artikels moniert in seinem Bericht in erster Linie, dass wir die Namen unserer RednerInnen nicht öffentlich gemacht haben. Zudem kritisiert er die Beteiligung von auswärtigen Gruppen und stellt eine „Zweiteilung“ der TeilnehmerInnen fest: auf der einen Seite mehrheitlich zugereiste AktivistInnen, „teilweise mit Sonnenbrillen“ und mit von Transparenten verdeckten Gesichtern, auf der anderen Seite die BürgerInnen aus Lingen. Wir fragen uns, wo der Autor die angeblich gerufene Parole „Haut den Bullen auf die Fresse“ gehört haben will. So wird in dem Artikel versucht, die Legitimation der TeilnehmerInnen aus dem antifaschistischen Spektrum zu diskreditieren, die ja nur von außerhalb angereist seien, die Kleinstadtidylle gestört hätten und die Lingener BürgerInnen für Ihre Zwecke instrumentalisiert hätten.

Wir haben uns sowohl über die Menschen aus anderen Städten als auch über die Lingener gefreut, die sich an unserer Demonstration beteiligt haben und so ihre Solidarität mit den Geflüchteten zum Ausdruck gebracht haben. Vielen Dank dafür! Auch wenn die TeilnehmerInnen unterschiedlich politische Hintergründe und Herangehensweisen haben sehen wir keinen Grund, hier eine Spaltung oder Instrumentalisierung herbeizureden.

In einem Kommentar des selben Autors geht dieser sogar noch weiter. Neben dem Vorwurf der Doppelmoral, den er auch wieder darauf bezieht, dass die RednerInnen ihre Namen nicht preisgeben und die TeilnehmerInnen nicht fotografiert werden wollten, schließt er seinen Kommentar mit der Aussage ab, dass Lingen auf „linksideologische Demonstranten“ ebenso verzichten könne wie auf Rechsextreme, die auf Menschen schießen. Wir verbitten uns einen derartigen Vergleich und lassen uns nicht mit Nazis gleichsetzen. Auch wenn eine solche Gleichsetzung in den bürgerlichen Medien nicht neu ist, entbehrt sie doch jeder Grundlage. Menschen, die sich seit Jahren und an vielen Orten den Nazis und ihrer menschenverachtenden Ideologie entgegenstellen, mit diesen gleichzusetzen, ist schlichtweg absurd. Und die Doppelmoral sehen wir eher bei den staatlichen Stellen, die auf der einen Seite einer Willkommenskultur das Wort reden, auf der anderen Seite aber durch die Einstufung von Geflüchteten in „gute“ und „böse“, durch Grenzsicherungen, Gesetzesverschärfungen, Schikanen und Abschiebungen das Leben zunehmend schwer machen. Fluchtgründe gibt es viele und alle sind legitim.

Damit stellen wir keineswegs das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen für Geflüchtete in Abrede. Dieses Engagement ist richtig und wichtig und verdient unseren Respekt. Auch deshalb, weil die staatlichen Stellen, deren Aufgabe es eigentlich wäre, den Menschen eine sichere und menschenwürdige Existenz zu gewährleisten, oft nicht in der Lage oder willens sind, dies zu gewährleisten.

Das Versteifen des Autors auf die nicht erfolgte Namensnennung der RednerInnen können wir nicht nachvollziehen. AntifaschistInnen, die mit vollem Namen in der Öffentlichkeit auftreten, sind einerseits von Übergriffen durch Nazis bedroht als auch oft genug staatlicher Repression ausgesetzt. Beispiele dafür gibt es viele. Aus diesem Grund haben wir die Namen der RednerInnen nicht preisgegeben und werden dies auch in Zukunft nicht tun. Diese Einschätzung betrifft auch keineswegs nur die antifaschistische Szene. Wir haben z.B. von einer Nachbarin des Täters erfahren, die aus Angst vor Bedrohungen nicht an der Demo teilnehmen wollte, weil sie befürchtete, auf Fotos erkannt zu werden. Den inhaltlichen Aussagen unserer Redebeiträge tut diese Anonymität aus Selbstschutz keinen Abbruch. Auf diese wird aber in dem Artikel kaum eingegangen, lediglich einzelne Sätze werden aus dem Zusammenhang gerissen zitiert. In seinem Kommentar verwechselt der Autor auch die Redner und die zugehörigen Redebeiträge.

Es bleibt dem Autor natürlich unbenommen, in einem Kommentar seine persönliche Einschätzung wiederzugeben. Dennoch enthält er Aussagen, die wir so nicht stehen lassen können. Und ein Artikel, der dem Anspruch nach sachlich über das Ereignis berichten sollte, ist in dieser Form ganz klar als tendenziös zu bezeichnen. Für eine sachliche Berichterstattung über linke und emanzipatorische Politik ist die NOZ, und besonders die Lingener Tagespost, schon seit vielen Jahren nicht gerade bekannt. Aufgrund dessen werden wir uns überlegen, ob es bei zukünftigen Aktionen noch Kontaktaufnahmen von unserer Seite zur Lokalpresse geben wird.

Um dieser diffamierenden und tendenziösen Berichterstattung entgegenzuwirken und eine inhaltliche Diskussion zu ermöglichen, dokumentieren wir hier alle Redebeiträge der Demo im Wortlaut und in voller Länge.

Redebeitrag Antifaschistische Aktion Lingen

Redebeitrag Grenzenlos – Antirassistisches Engagement e.V.

Redebeitrag Libertäre Kommunist*Innen Osnabrück

 

Fronttransparent Demonstration, Quelle: noz

 

„Nazis morden der Staat schiebt ab, das ist das gleiche Rassistenpack!“, Quelle: klick.news

 

„Nationalismus ist keine Alternative“, Quelle: klick.news

 

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